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KBA-NotaSys & Korruption: in Brasilien wird wieder ermittelt

Eigentlich dachte man, mit einer freiwilligen Strafzahlung in der Schweiz sei alles erledigt. Aber jetzt ermitteln Behörden in Brasilien wieder gegen Koenig & Bauer.

Ein alter Vorwurf beschäftigt den Würzburger Druckmaschinen- Hersteller Koenig & Bauer noch immer: die Folgen einer Bestechungsaffäre mit jahrelang zurückliegenden Ermittlungen in der Schweiz gegen das Tochterunternehmen KBA-Notasys in Lausanne. Es ging um Korruption beim Verkauf von Druckmaschinen in vier Länder (Brasilien, Nigeria, Marokko und Kasachstan). Koenig & Bauer hatte den Fall auf eine Art bereinigt, die selbst von Schweizer Behörden als vorbildlich bezeichnet wurde – einer freiwilligen Zahlung von 30 Millionen Euro, die sich 2019 auch entsprechend im Geschäftsergebnis niederschlägt.
Wie sich nun herausstellt, ist für die Brasilianer der Fall aber noch nicht erledigt. Zumindest exististiert eine entsprechende Bekanntmachung brasilianischer Behörden vom 22. Juni 2019 im Internet. Darin wird verkündet, dass Bundesbehörden ein Rechenschaftsverfahren gegen KBA-Notasys eingeleitet haben. Mittlerweile sind, so weiß Manfred Schweidler in der Mainpost zu berichten, die Fakten klarer. Untersuchungen der brasilianischen Bundespolizei hätten den Verdacht ergeben, dass sich zwei Direktoren der für den Gelddruck verantwortlichen staatlichen Münzanstalt bestechen ließen, um Bestellungen für Druckmaschinen bei KBA-Notasys zu kaufen. Dies könne zu einer Strafe führen und zum Ausschluss des weltweit führenden Unternehmens, künftig dort Maschinen verkaufen zu dürfen.

Dabei werden auf den Banknoten-Druckmaschinen von Koenig & Bauer zwei Drittel des weltweiten Bargeldvolumens gedruckt. Unter den Kunden sind freilich auch Nationalbanken aus Ländern, in denen Bestechung verbreitet ist. Koenig & Bauer verkaufte Druckmaschinen an die Zentralbanken von Marokko, Brasilien, Nigeria und Kasachstan. Wie bei den schweizerischen Ermittlungen zutage gekommen ist sollen Mittelsmänner von KBA NataSys um ins Geschäft zu kommen, hochrangigen Mitarbeitern der Zentralbanken Bestechungsgelder gezahlt haben: Einem Manager der marokkanischen Zentralbank 3,4 Millionen Franken (heute umgerechnet 3,1 Millionen Euro) als Provision für einen Vertragsabschluss über Maschinenverkäufe zum Preis von 65 Millionen Franken.
Zwei Manager der nigerianischen Zentralbank verdienten sich das, was in Schwyzerdeutsch so schön „ein Zustupf” heißt, 8,5 Millionen Franken für Vertragsabschlüsse über 236 Millionen. Agenten der kasachischen Nationalbank sollen 15 Millionen Franken für die Vermittlung mehrerer Verträge kassiert haben. Und schließlich sollen auf Konten eines Direktors der brasilianischen Notenbank sowie eines Verwandten eines hohen Angestellten 7,9 Millionen Franken als Dank für Bestellungen im Wert von 246 Millionen Franken geflossen sein.
Die Bestechungsgelder wurden auf verschlungenen Wegen übermittelt – aber immer wieder waren Schweizer Bankkonten involviert. 2015 meldete KBA-Notasys den Verdacht von sich aus, zu Geschäften zwischen 2005 und 2012. Das Unternehmen trennte sich von mehreren Vertriebsagenten.
Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte 2017 viel Lob für das Krisenmanagement der KBA-Notasys: Die Behörde lobte im Strafbefehl, der sogar von der Schweizer Nachrichtenagentur zitiert wurde: „Sie hat sich als erstes Unternehmen in der Schweiz bei der Bundesanwaltschaft selbst angezeigt und damit eine Pionierrolle übernommen.” Die Firma lieferte die Gewinne aus dem korrupten Geschäft von fast 30 Millionen Franken ab. Eigentlich wäre für die Taten eine Strafe von 3,5 Millionen Franken gerechtfertigt, stellte die Bundesanwaltschaft fest. Strafmildernd wirke, dass sich die Firma selber belastete und - laut Spiegel - fünf Millionen Franken für die Gründung eines Fonds zahlte, mit dem die Einhaltung sauberer Geschäftspraktiken in der Gelddruckerbranche gefördert werden soll. Daneben wurde nur eine symbolische Strafe von einem Franken fällig.
Jedenfalls kocht jetzt der Fall nach zwei Jahren wieder hoch. So informierte Koenig & Bauer mittlerweile die Aktionäre über ein „im Internet veröffentlichtes Verfahren der brasilianischen Regierung gegen die Schweizer Tochtergesellschaft KBA-NotaSys.” Die Vorgänge in Brasilien seien jedoch Bestandteil „des rechtskräftig abgeschlossenen Selbstanzeige-Verfahrens, das die Schweizer Tochtergesellschaft bei der schweizerischen Bundesanwaltschaft wegen Defiziten in der Korruptionsprävention eingeleitet hatte”.
Die Ertrags- und Finanzlage des Konzerns werde aber „aus heutiger Sicht dadurch nicht belastet”. Bei der Präsentation des aktuellen Quartalsberichtes merkte Koenig & Bauer-CFO Mathias Dähn denn doch an, dass die 30 Millionen-Zahlung an die schweizerische Bundestaatsanwalt zumindest den Cashflow des Unternehmens beträchtlich belastet habe… (siehe oben). Inwieweit die brasilianischen Behörden inzwischen Kontakt mit Würzburg aufgenommen haben und welche Folgen das für künftige Geschäfte hat, ist unklar. Auf Anfrage
antwortete eine Unternehmenssprecherin höflich, aber bestimmt: „Leider kann ich Ihnen nur mitteilen, dass wir uns zu einem laufenden Verfahren nicht äußern.” Auch die brasilianische Botschaft ließ eine Anfrage über die Ermittlungen unbeantwortet.

Ab 2020 wird aus KBA-NotaSys Koenig & Bauer Banknote Solutions

Koenig & Bauer hat Anfang November jedenfalls bekannt gegeben, dass KBA-NotaSys umfirmiert werde. Wobei das aber nichts mit den jüngsten Kalamitäten zu tun haben soll. Das Unternehmen wird mit 1. Juni 2020 in Koenig & Bauer Banknote Solutions umbenannt. Damit folge die Gesellschaft dem gemeinsamen Ziel einer einheitlichen Namensgebung innerhalb der Unternehmensgruppe Koenig & Bauer. Die Organisation und Struktur von KBA-NotaSys bleibt von dieser Änderung unberührt.
Das auf den High-Tech-Sicherheitsdruck von Banknoten und Wertpapieren spezialisierte Unternehmen entstand 1952 unter dem Namen Organisation Giori und wurde 1964 zu De La Rue Giori. Seit 2001 ist das Unternehmen Teil von Koenig & Bauer. Es hatte zunächst die Firmenbezeichnung KBA- GIORI angenommen und hieß ab 2011 KBA-NotaSys.
Eric Boissonnas, CEO von KBA-NotaSys: „Es geht einfach darum, die Marke Koenig & Bauer vollständig zu integrieren. Auf diese Weise wollen wir die Kontinuität der Lausanner Marke sicherstellen und unser einzigartiges Know-how unter einer einheitlichen globalen Bezeichnung anbieten.“ Noch im ersten Halbjahr 2020 werde das Unternehmen eine Neugestaltung des Logos, der Website und der dazugehörigen visuellen Elemente präsentieren. Diese Änderung wird die drei Standorte betreffen, an denen KBA-NotaSys präsent ist: die Schweiz, Deutschland und Österreich.

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